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Exkursion nach Oberösterreich


Dorfentwicklung durch Eigeninitiative

Interessierte informierten sich über vorbildliche Projekte:

Ein Bericht der Schwarzwälder Post vom 29./30. April 2010/ Von Peter Theiner

Oberharmersbach. Aus den vier Schwarzwaldgemeinden Hardt, Fischerbach, Biberach und Oberharmersbach, die sich an dem Leader-Programm „Lebensqualität durch Nähe“ beteiligen waren am letzten Wochenende (23.-25. April) vierundzwanzig Männer und Frauen einer Einladung nach Oberösterreich gefolgt.

Geladen hatte die Organisation SPES, die in Schlierbach, einem Ort südlich von Linz, ein Hotel- und Schulungsgebäude unterhält. Die Exkursion diente dazu, an Ort und Stelle in Augenschein zu nehmen, was unsere österreichischen Nachbarn seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts für die Entwicklung ihrer Gemeinden und der gesamten Region geleistet haben.

Schon bei der Auftaktveranstaltung im Herbst 2009 in Biberach hatte der ehemalige Bürgermeister Karl Sieghartsleitner mit der Vorstellung des „Steinbacher Weges“ die Aufmerksamkeit der Zuhörer geweckt. Was die Exkursionsteilnehmer zum Beispiel über Steinbach an der Steyr erfuhren, war nahezu unglaublich. Anfang der 80er Jahre war Steinbach mit seinen 2000 Einwohnern ein sterbender Ort. In einer rund zwanzigjährigen Phase des Niedergangs schnellte die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe, Handwerksbetriebe, Geschäfte und Gasthäuser wurden geschlossen, Bauernhöfe wurden aufgegeben.

Resignation machte sich breit. „In dieser Situation,“ so Altbürgermeister Sieghartsleitner, „ wurde uns klar, dass von außen keine Hilfe zu erwarten war.“ Nach intensiver Planung und unter Mitwirkung  von Gemeinderat, Vereinen und der gesamten Bürgerschaft wurde ein Leitbild erarbeitet, in dessen Mittelpunkt nicht mehr die Probleme standen, sondern die Ziele, für die man die Einwohner begeistern wollte.

Was dann begann,  war eine Entwicklung, die den Ort und die darin lebenden Menschen grundlegend veränderte. In Steinbach wurden seit 1986 mehr als 60 Projekte für eine nachhaltige Entwicklung umgesetzt.

Hier einige Bespiele:

Wiederbelebung des Ortsplatzes, Ausbau der Fuß-, Wander- und Radwege, Steinbacher Adventskalender (vergleichbar mit dem Gengenbacher Adventskalender) Renovierung von 15 alten Häusern im Ortskern, Historische Hausbeschilderung, Produktion von Natursäften, umweltfreundliche Heizsysteme und vieles mehr. Auch eine ganze Reihe von Aktionen, die kostenlos zu verwirklichen sind, haben dazu beigetragen, das Gemeinschaftsgefühl der Einwohner positiv zu beeinflussen, z.B. „Grüßen ist cool“ ein regelmäßiger Seniorentreff oder die Verpflichtung von Bürgern, ehrenamtliche Arbeiten zu übernehmen.

Schon längst gilt der „Steinbacher Weg“ als Musterexemplar für beispielhafte Dorfentwicklung, so dass der Ort zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt, darunter den Europäischen Dorferneuerungspreis 1994.

Umweltbewusst

Auch der von einem mächtigen Zisterzienserkloster beherrschte Ort Schlierbach hat Beispielcharakter. Hier wurden umweltfreundliche Heizanlagen installiert, die mit Biomasse betrieben werden und ganze Wohnanlagen mit Fernwärme versorgen, hier wurden die räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass über das ganze Jahr hinweg die Selbstvermarkter ihre Erzeugnisse anbieten können, im Klosterareal wird eine Schaukäserei betrieben, eine Hühnerfarm ist einer der größten Produzenten von Bio-Eiern in ganz Österreich, man spart sich die Müllabfuhr und sorgt stattdessen für die Müllsortierung und den Verkauf von Wertstoffen. Bauern haben eine Ferienhaussiedlung mit großzügig ausgestatteten Holzhäusern gebaut.

So wie die Exkursionsteilnehmer aus dem Schwarzwald kommen alljährlich Tausende von Besuchern nicht nur nach Steinbach oder Schlierbach, sondern in die gesamte Region Oberösterreich. Sie erleben mustergültiges Engagement für die Allgemeinheit und finden mit Sicherheit eine ganze Reihe von nachahmenswerten Beispielen zur Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum.


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