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Exkursion

Exkursion der LEADER Region Nordschwarzwald nach Österreich

Foto: Privat

Der Bericht einer Teilnehmerin:

Nach der Ankunft in Schlierbach am späten Nachmittag und dem Zimmerbezug werden wir über die SPES Zukunftsakademie, ihre Entstehungsgeschichte sowie ihre aktuelle Arbeit informiert. s. www.spes.co.at

Nach dem Abendessen gibt es die Möglichkeit, an der Mostverkostung mit Mostsommelier Lungenschmied teilzunehmen, was alle Teilnehmer gerne machen. 

Auch im Nordschwarzwald, der Region, aus der die Teilnehmer/innen kommen, gibt es eine lange Tradition der Mostherstellung– auf den Bauernhöfen war dies oft das einzige Getränk außer Wasser. Allerdings gilt Most in den Augen der Bauern eher als einfaches Getränk, da es das Alltagsgetränk ist. Es gibt auch diese Form der Veredelung von Most sowie den „Beruf“ eines Mostsommeliers nicht. Die Teilnehmer/innen bewundern die Initiative in Österreich, wie hier Most professionell ausgebaut und dann auch vermarktet wird. Die Landesausstellung Mahlzeit, die gerade in Schlierbach stattfindet, hat dazu beigetragen, dass das Thema Most und dessen Vermarktung einen großen Schub bekommen hat. Evt. könnte diese Form der Mostproduktion und Mostvermarktung wie in Österreich auch für die Bauern im Schwarzwald eine Form sein, die bedrohten Streuobstwiesen für die Zukunft zu erhalten, wenn nicht nur der Saft von Streuobstwiesen verkauft wird, sondern die Konsumenten auch auf den Geschmack am Most gebracht werden könnten.

Foto: Privat

Am Samstagmorgen lädt Alois Tragler, einer der SPES-Gründer und lange Zeit der Obmann des SPES-Vereins, uns zu einem Rundgang durch Schlierbach ein, um die zahlreichen Projekte zu besichtigen, die von Bürger/innen /Bauern / Gewerbetreibenden entwickelt und umgesetzt wurden und bis heute dazu beitragen, dass viel Wertschöpfung in der Gemeinde bleibt.

Seit 1987 wurden in Schlierbach nachhaltige Projekte wie beispielsweise ein „Bauernmarkt“, „Hackschnitzelanlagen“, eine„Geflügel GmbH“, ein „Feriendorf“ oder ein „Genusszentrum“ mit Erfolg umgesetzt. Jedes Projekt musste Widerstände und

Durststrecken überwinden und jede einzelne Maßnahme bildet heute für Schlierbach einen wichtigen Baustein der den Weg in eine nachhaltige Zukunft pflastern half.

 

Auch in der Gemeinde Steinbach an der Steyr, die wir am Nachmittag besuchen, liegen Ursprung und Wiege nachhaltiger Dorfentwicklung in Österreich. Die dominierende Besteckindustrie der Gemeinde erfuhr Ende der 1960er Jahre einen wirtschaftlichen Niedergang. Unter großem wirtschaftlichem und sozialem Druck mussten Lösungswege aus der Krise gesucht und rettende Maßnahmen für die Gemeinde durchgeführt werden. Hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Infrastruktur und die Uneinigkeit im Gemeinderat zeichneten ein trostloses Bild.

Foto: Privat

 

In den zurückliegenden Jahrzehnten gelang es den Steinbacher Bürgerinnen und Bürgern jedoch, mit Projekten zur Nahversorgung, Ortssanierung, Energieversorgung, Kulturarbeit und Arbeitsplatzschaffung die Entwicklung umzukehren und der finanzschwachen Gemeinde wieder eine Zukunftsperspektive zu geben.

„Während die einen den Niedergang verwalten bauen die anderen an einer lebenswerten Zukunft“ beschrieb Alt-Bürgermeister Ing. Karl Sieghartsleitner zwei sehr unterschiedliche Reaktionen in Krisenzeiten. Sieghartsleitner gilt als Vater des erfolgreichen Steinbacher Weges, auf den er als Moderator, Motivator und

Macher die Bürgerschaft auf eine nachhaltige Zukunft und aktive

Mitarbeit einschwor. Steinbach wurde europäische Modellkommune für eine nachhaltige Gemeindeentwicklung unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger und Karl Sieghartsleitner bekommt mittlerweile aus aller Welt Anfragen als Referent und Berater zu den Themen „Bürgerschaftliches Engagement“ und „Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung“.

 

Nach dem Abendessen stellt Johannes Brandl die „Zeitbank55+“ vor und das Interesse daran ist sehr groß – in einigen Gemeinden gibt es bereits Überlegungen, so etwas wie Tauschringe zu gründen und da wäre die Zeitbank55+ ein Modell, das diesem Anliegen sehr nahekommt – ja vielleicht sogar besser die Interessen der Menschen treffen würde als ein Tauschring. Und man könnte von den Erfahrungen aus Österreich profitieren, die ganzen Materialien sowie die Zeitbank-Datenbank könnten einfach übernommen bzw. mit genutzt werden.

Die Teilnehmer/innen wollen vor allem hören, wie die ersten praktischen Erfahrungen damit in den österreichischen Zeitbankvereinen sind, ob es keine Konkurrenzängste von Seiten der Handwerker gibt und stellen viele Fragen zu der Handhabung der Stundenchecks und der Verwaltung im Zeitbank-Programm.

Vor allem die Teilnehmer/innen aus Neubulach und Oberreichenbach sind sehr interessiert und möchten in ihren Gemeinden andere Menschen über die Zeitbank55+ informieren und die Gründung eines Zeitbank-Vereins anstreben.

 

Im Anschluss können wir ein Dessert im Dunkelgenussraum einnehmen – eine neue und intensive Erfahrung, die uns schon einstimmt auf das Thema des nächsten Tages: die Landesausstellung „Mahlzeit“.

 

Am Sonntagvormittag besuchen wir gemeinsam die im Stift Schlierbach stattfindende Ausstellung Mahlzeit. Die Ausstellung handelt von der Kulturgeschichte von Essen und Trinken – ein Thema, das jeden Menschen betrifft und das in seiner ganzen inhaltlichen Breite (Medizin, Interkulturalität, Religion, Produktion und Konsum etc) dargestellt wird. Im Stift Schlierbach, in dem die Ausstellung stattfindet, gibt es eine Schaukäserei sowie ein Genusszentrum.

Foto: Privat

Neben zahlreichen Projektideen und der Bedeutung der Zusammenarbeit aller Bürger/innen in der Gemeindeentwicklung, nehmen wir vor allem eines mit auf den Heimweg: Wir wurden darin bestärkt und motiviert, dass es sich lohnt und auszahlt, sich für seine Heimatgemeinde zu engagieren.


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